Haus_S_Landsberg

Bauherr und Architekt waren bei diesem Projekt ein und dieselbe Person. Dipl.-Ing. FH Architekt Steger und seine Lebenspartnerin haben sich mit der Komplettsanierung und Neugestaltung des „Alten Mesnerhauses“ (Baujahr 1604) am Dreifaltigkeitsfriedhof einen Kindheitstraum erfüllt und ein zukunftsorientiertes und energetisch zeitgemäßes Wohnhaus mit separatem Büro- und Einliegergebäude nach modernen Richtlinien verwirklicht.

Herausforderung stellten vor allem das schmale Grundstück und die unmittelbare Lage direkt an einer viel befahrenen Hauptstraße dar. Weshalb die Idee einer parallel zur Straße verlaufenden Bebauung als Schallschutz mit vorgefertigten Sichtbeton- Wandelementen entstand. Dahinter befinden sich ein separates Büro- / Einliegergebäude, ein Laubengang und ein direkter Anbau ans Wohnhaus. Zusammen mit der alten Friedhofsmauer bilden sie so einen nicht einsehbaren Atriumgarten.

Vier Wände im Dreck" war die Aussage der meisten Handwerker vor Beginn der Komplettsanierung. 

Bei der Sanierung / Restaurierung des denkmalgeschützten Wohnhauses wurde mit äußerster Sorgfalt und weitestgehend nach alten Handwerksmethoden gearbeitet. Viele der sehr aufwendigen und zeitintensiven Arbeiten wurden deshalb oft eigenhändig ausgeführt. Zugunsten des historischen Erscheinungsbildes wurde auf eine herkömmliche Verputzart und Erhöhung des Dämmwertes an den Außenmauern verzichtet und auf traditionelle Weise von Hand mit einem eigens dafür angesetzten, hydraulischen Kalkputz verputzt. Als Kompensation und bewährtes Mittel gegen aufsteigende Feuchtigkeit und Schimmelbildung wurde an den Außenwänden eine Niedertemperatur- Wandheizung (sog. Bauteilaktivierung) installiert. In Kombination mit einem Holzofen sorgt sie für ein absolut behagliches Innenraumklima. Die Neubauten hingegen wurden mit einer herkömmlichen Fußbodenheizung ausgestattet.

Die Komplettsanierung des denkmalgeschützten Wohnhauses wurde nachhaltig und unter ökologischen Gesichtspunkten mit Hilfe der Neubauten und technischer Finessen zu einem insgesamt sehr energieeffizienten Gesamtkomplex konzipiert. Ein im EG zentral positionierter, wasserführender Holzofen (sog. Kaminkessel Brunner Typ Architektur) dient als weitere Heizquelle, die zusätzlich zur Verbrennungswärme mit der Energie des Ofens Warmwasser für den Pufferspeicher erzeugt. Wodurch das so gewonnene Warmwasser im Niedertemperatur-heizsystem aller Gebäudeteile genutzt werden kann. Zur Verbesserung der Energiebilanz konnten zum Beispiel alle Fenster Außen mit einer 2- Scheibenisolierverglasung ausgeführt und alle historischen Holzfenster zu neuen Kastenfenster umgebaut werden.

Das Projekt besticht nicht nur durch seine bauzeitliche Substanz und den denkmalpflegerisch geschützten Besonderheiten (Innentüren, Fenster, Balken, alten Holzdielen) sondern vor allem durch den Mix aus Alt und Neu. Mit einer bewusst reduzierten und schlichten Formgebung soll so ein Kontext zwischen altem und modernem Baustil geschaffen werden. Altem Gemäuer, historischen Balken und Dielen stehen eine moderne Einrichtung und eine neue Treppe aus Schwarzstahl gegenüber. Die modern gestalteten Räume der Neubauten wurden mit viel Glas und Beton im Gegensatz zu einem Terrazzoboden und altem Mobiliar umgesetzt.

Als Besonderheit kann man die exponierte Lage und Nähe zum Lech, dem alten historischen Stadtkern und die unmittelbare Nähe zum historischen Friedhof bezeichnen. Dabei stellt der nicht einsehbare Atriuminnenhof das entscheidende Element bei der Konzeption und Gestaltung des Gesamtkomplex dar, welcher vor allem Privatsphäre schaffen soll.

Alle denkmalpflegerischen Aspekte wurden mit der unteren Denkmalschutzbehörde, dem Gestaltungsbeirat der Stadt Landsberg am Lech sowie dem bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in München abgestimmt und konnten so im Sinne der Denkmalpflege umgesetzt und erhalten werden.

2013 Veröffentlichung bei den Architektouren der Bay. Architektenkammer

Bauherr
Privat
Lage
86899 Landsberg, Landkreis Landsberg
Art
Denkmalschutzobjekt
Energiebedarf
Jahresprimärenergiebedarf von 110,6 kWh/m²
Heizwärmebedarf
169,4 kWh/m²
WFL
ca. 200 m²
NFL
ca. 230 m² inkl. Keller
BRI
ca. 1.018 m³ inkl. Keller
Fotos
©auerDesign, Mertingen